Stritzken
Anti-sèche
Das Wetter macht es niemals allen recht. Ganz sicher ist es an jedem Tag, den der Liebe Gott werden lässt, dem einen zu heiß, dem anderen zu kalt. Es kann auch zu nass sein oder zu trocken. Auf eines können sich dagegen alle einigen: Trockenheit zeigt im Sprachgebrauch immer einen Mangel an. Das mag der trockene Vortrag sein, mit einem Mangel an Unterhaltung. Oder der trockene Mund, wenn die Zunge am Gaumen klebt. Oder vielleicht der Fisch, der sich auf dem Trockenen gar nicht in seinem Element fühlt. Allenfalls der trockene Humor oder der trockene Wein gewinnen der Trockenheit etwas Freundliches ab.
Auch in Frankreich leidet man sprachlich unter der Trockenheit. Das durften die Mitglieder der DeutschFranzösischen Gesellschaft erfahren, die in der vergangenen Woche erneut die Freunde aus der Partnerstadt Taverny zum Sprachkurs begrüßt haben. Wenn es im Kopf an Ideen mangelt, heißt es dort: „Je suis sec – ich bin trocken.“ Oder auch: „Je sèche – ich trockne aus, ich bekomme es nicht mehr hin.“ Das Bild eines nach Ideen dürstenden Hirns drängt sich selbst dem Französisch-Laien auf. So ist es doch ein Trost, dass der geplagte Franzose in Prüfungen auf ein Anti-sèche zurückgreifen kann, auf ein zuverlässiges Mittel gegen das trockene Hirn. Es ist klein, handlich und meist ziemlich zerknittert. „Spickzettel“ heißt der Helfer gegen die Trockenheit zwischen den Ohren bei uns. Und auf den zurückzugreifen scheut sich auch nicht
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